Was geht ab…

Töpferkurs 2021 hier

zum Vormerken:

Mai-Kalenderblatt

„Schau mal hier: Himbeere, Schwarze Johannisbeere, Brennessel, Waldmeister, Giersch, Gundermann, Taubnessel, da hinten wächst Bärlauch.“ – Wir riechen, schmecken und pflücken ein kleines Wildsträußchen…

Es ist interessant, mit Barbara einen Spaziergang über den Niederhof zu machen. Der Garten blüht, und das nicht nur wild durcheinander. Barbara pflanzt mal hier etwas hin und mal da, mal ist es ein Bäumchen, dann wieder steckt sie eine Blumenzwiebel in die Erde.

„Was denkst du über all die Pflanzen?“, frage ich. „Sie bewegen etwas in uns, sind wunderbare Begleiter, erfreuen die Seele, spenden Freude, sind Nahrung.“

„Was ist deine Motivation, all die verschiedenen Stellen auf dem Hof zu bepflanzen?“ – „Es ist der Respekt vor der Landschaft. Die Natur ist es wert. Man soll sehen, dass es Schönheit ist, eine Vielfalt an Pflanzen, an Blüten, an Kräutern. Das Betreuen der Beete macht mir viel Freude, wird etwas achtlos umgeknickt, macht es mich traurig.“

„Magst du einen Getreidekaffee?“, fragt sie mich spontan. „Wir suchen uns dafür ein schönes Plätzchen.“

Kurz darauf sitzen wir auf ihrer Terrasse, inmitten ihrer wildgepflegten Kräuter- und Blumenvielfalt, Baumstämme zu Tisch und Bänken gebaut.

„Schau mal, hier auf der Bank, meine Wunderpflanze.“, Barbara lacht dabei. Sie hält mir die Schale hin. „Koste ein Blatt!“, fordert sie mich auf. Ich pflücke mir ein Blatt ab und schmecke. „Hm, sehr aromatisch. Wie heißt die Pflanze?“ – „Jiaogulan.“ Sie lacht wieder. „Kraut der Unsterblichkeit, also das Kraut für mich.“

Ich muss noch einige Male genau hinhören, bis ich weiß, wie das Wort richtig ausgesprochen wird. Ich soll an -golan- denken und davor das -jiao- setzen.

Und dann bekomme ich den ultimativen Tipp von Barbara, dass es davon Tee gibt 😉 Nur gut, denn ich habe mich belesen und weiß, dass dieses Kraut stark wuchert und mir nun denken kann, warum es ‚Kraut der Unsterblichkeit‘ genannt wird. Und jetzt muss ich lachen…

Wir plaudern noch eine ganze Weile über die Natur. Dann kommen wir ins Gespräch über die Menschen unseres Hofes, wie wir doch so individuell sind und doch so gemeinsam miteinander agieren. Wir sprechen über die Seele, die mit Gott verbunden ist und darüber, dass eins mit dem anderen zusammenhängt und miteinander verwoben ist… Danke für diese gemeinsame Zeit Barbara ❤

April-Kalenderblatt

Zur Zeit sind wir als Gemeinschaft beschäftigt, den neuen Bewohnern den Einzug zu ermöglichen. So arbeiten alle kräftig mit und geben ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten bei den notwendigen Eigenleistungen am Umgebindehaus ein.

Wichtig dabei ist es, die Hygieneschutzmaßnahmen einzuhalten und dennoch gemeinsam tätig zu sein. Dafür gibt es eine klare Absprache, wer wann und wo tätig ist.

Unsere Hoffnungen liegen auf einem baldigen Ende der Pandemie, um wieder unsere sozialen Aktionen nach außen zu richten und den Hof für Veranstaltungen zu öffnen.

März-Kalenderblatt

Eigentlich wollte ich Peter zu seinem Hobby befragen und ich begann: Was hat dich zum Töpfern gebracht?

Doch im Gespräch wurde schnell klar, es wird mehr als nur eine Geschichte vom Töpfern auf dem Niederhof. Peter und seine Frau Barbara sind Visionäre, die Initiatoren für den Niederhof-Kauf und die Vereinsgründung „Miteinander Füreinander Jung und Alt Görlitz e.V.“

Und sie haben eine Lebensgeschichte zu erzählen…

1960-65 arbeitete Peter als Bergbau-Ingenieur in Hamm Westfalen, in der Zeche Heinrich-Robert.

Barbara, seine Frau, nahm in diesen Jahren an Hilfsprojekten in Israel und Großbritanien teil. Ihr Motor für diese Reisen war das tiefe Bedürfnis, Menschen zu helfen, insbesondere Menschen, die unter dem Hitler-Regime gelitten haben. Sie wollte diesen Menschen zuhören, mit ihnen ins Gespräch kommen. Peter unterstützte sie darin.

Als Barbara 1965 das Angebot bekam, in Israel in einem „Dorf für Behinderte“ mitzuarbeiten, fragte sie ihren Peter, ob er sie diesmal nach Israel begleiten würde. Und so zogen sie für zwei Jahre gemeinsam los. Noch heute gibt es diese Art von Dörfern hier

Peter: „Barbara hatte in England das Töpfern erlernt und es entstand die Idee, in diesem Dorf eine Töpferwerkstatt zu therapeutischen Zwecken aufzubauen. Und ich lernte von Barbara das Töpfern.“

Im Sommer 1967 sollte es zurück nach Deutschland gehen, doch der 6-Tage-Krieg durchkreuzte ihre Pläne. Sie blieben länger. Erst im Dezember zogen sie, nun schon als kleine Familie mit Kind, endgültig nach Deutschland zurück. Doch deutsch-israelische Freundschaften blieben bis auf den heutigen Tag.

Durch die Kohlekrise bekam Peter keine Arbeit in seinem alten Bergbaubetrieb und arbeitete stattdessen als Ingenieur für eine Baugesellschaft am U-Bahn-System der Stadt Essen mit. Erst 1970 ergab sich für ihn eine Gelegenheit, zum Bergbau zurückzukehren, in seine alte Zeche Heinrich-Robert. Dort blieb er bis 1991.

Dann zog es Barbara und Peter wieder in die Ferne, ihre Kinder erwachsen geworden und aus dem Haus. Ein Studienfreund, mit dem Peter früher in einer Jazz-Band spielte, hatte sie begeistert aus dem Gelände und den Äckern einer ehemaligen LPG einen ökologischen Bauernhof entstehen zu lassen.

Noch während beide in Pfaffendorf halfen den heutigen Lindenhof aufzubauen, initiierten sie im November 2005 die Gründung des Vereins Miteinander Füreinander Jung und Alt Görlitz e.V. Und kurz darauf begann die Suche nach einem geeigneten Gelände, das auch schnell entdeckt wurde: der Niederhof in Görlitz. Hier entstand wieder eine Töpferwerkstatt, wo Barbara bis heute ihren künstlerischen Ambitionen nachgeht und Peter noch immer praktische Ideen umsetzt.

Peter, was fasziniert dich am Töpfern? „Die Grundlage vom Töpfern – Erde, Wasser, Luft, Feuer als Grundelemente. Ich kann selbst tätig sein…“ und in seinem Humor fügte er noch an, 😉 „…ich kann das Geschirr, das Barbara wirft, wieder erneuern.“ 😂

Und hast du ein Zeichen, was deine Töpferware erkennbar macht? „Natürlich! Es sind die gekreuzten Schlägel und Eisen.“

Was wäre noch dein Traum zu Töpfern? „Eine Schüssel, die in Form und Details stimmt, so das alle Elemente harmonisch zusammenpassen.“ 🤗

Danke Peter für dieses Gespräch.